Sermon 71
Von dem wörtelîn, daz er sprichet ‘alle, die dû mir geben hâst.’ Der den sin eigenlich ane siht, sô meinet ez als vil: allez daz dû mir geben hâst dem gib ich daz êwic leben. Êwic leben daz ist daz selbe, daz der sun hât in dem êrsten ûzwürken und in dem selben grunde und in der selben lûterkeit und in dem smacke, dâ er sîn eigenheit inne hât unde dâ er sîn wesen inne hât besezzen. Daz êwic leben gib ich iu und anders keinez. Disen sin sprechent küenlîchen ûf mînen lîp. Dar nâch sprichet er ‘daz ist êwic leben, daz sie dich erkennen als einen wâren got.’ Er ensprichet niht: wîsen got noch gerehten got noch gewaltigen got, mêr: als einen wâren got, unde meinet, daz diu sêle abe scheide und abe schele allez, daz got zuo leget in gedanken unde verstân, unde neme in blôz als er ist lûter wesen. Alsô ist er wârer got. Dar umbe sprichet er ‘daz ist êwic leben, daz sie dich bekennen alleine wâren got.’ Daz wir komen zuo dirre wârheit, daz ist ze lûterm wesen, unde wir mit im und in im êweclîche sêlic wesen, des helf uns der vater unde der sun unde der heilige geist. Âmen.
Ez sprichet der meister Boethius: swer in diseme liehte, dâ ich von gesprochen hân, wêrlîche erkennen wil, der muoz lâzen vier dinc, diu geschrieben sint. Er muoz lâzen die fröude der welt und angest unde nôt unde vorhte; die wîle diu in dir sint, sô ist ez tunkel unde gewulket dinne. Sant Paulus sprichet ‘got wonet in eime liehte, dâ nieman zuo komen mac.’ Daz dem liehte nâhen kumt daz verzert daz lieht unde wandelt ez in götlîche nâtûre, als ich nû sprach von götlîchem wesen: swaz in daz wesen getragen wirt daz wirt wesen. Ich spriche von verstandnüsse: als gotes eigenschaft ist, daz er stêt unbeweget in sînem lûtern blôzen wesenne, sîn selbes wesen, die eigenschaft gît man dem verstandnüsse, daz alsô edel ist, daz ez stêt in sînem eigen wesenne.
Concerning the little word in which he says: “All whom you have given me.” Whoever looks properly into its meaning understands it thus: everything that you have given me, to them I give eternal life. Eternal life is that same life which the Son has in the first outworking, in the same ground and in the same purity and in the savor in which he has his ownness and in which he possesses his being. This eternal life I give you, and no other. Apply this meaning boldly to my body. After this he says: “This is eternal life, that they know you as the one true God.” He does not say: a wise God, nor a righteous God, nor a mighty God, but as the one true God. By this he means that the soul should separate and strip away everything that is added to God in thought and understanding, and take him nakedly as he is: pure being. Thus he is the true God. Therefore he says: “This is eternal life, that they know you as the only true God.” That we may come to this truth, that is, to pure being, and may be eternally blessed with him and in him, may the Father and the Son and the Holy Spirit help us. Amen.
The master Boethius says: whoever wishes truly to know in this light of which I have spoken must leave four things that are written of: the joy of the world, anxiety, distress, and fear. As long as these are within you, it is dark and clouded within. Saint Paul says: “God dwells in a light to which no one can come.” Whatever comes near that light, the light consumes it and transforms it into divine nature, as I have just said concerning divine being: whatever is borne into being becomes being. I speak of intellect. Just as it is God’s property that he stands unmoved in his pure, bare being, his own being, so this same property is attributed to intellect, which is so noble that it stands in its own being.