← Back to Overview

Tractate — Chapter 7

Tractate — Chapter 7Middle High German + EnglishAbout this edition

Original Source (Middle High German)
English Translation
DIU ZEICHEN EINES WÂRHAFTEN GRUNDES.

Ein meister sprichet: ez koment vil liute ze klârem verstântnüsse unde ze vernünftigen underscheide bilde unde forme, aber der ist wênic, die dâ koment über verstântlîchez schouwen und über vernünftige begrîfunge bilde unde forme, und wære doch gote ein mensche lieber, der dâ stüende âne alle begrîfunge formlîcher bildunge, denne hundert tûsent, die ir selbes gebrûchent in vernünftiger wîse. Wan got der enmac in sie niht komen noch sînes werkes gewürken von der unlîdikeit ir vernünftiger bildunge. Wære aber, daz sie enbunden würden ûz aller biltlîchen schouwe unde gerücket unde gebüeret über vernünftige begrîfunge, als sant Dionysius sprichet, und ouch daz lieht des gelouben haben über alliu vernünftigu dinc von dem êrsten puncte, in dem vindet got sîne ruowe unde sînen fride, ze wonende unde ze würkende, wie er wil und wenne er wil unde waz er wil. Wan got sînes werkes in in ungehindert ist, dâ von würket er in sie sîn aller liebestez werc unde verwürket sie an sich mit triuwen. Dise liute kan nieman erkennen, wan ir leben ist verborgen und ir wesen allen den, die des selben lebens niht ensint. Zuo dirre wârheit unde zuo disem sêligen leben, zuo dirre edellîchen hôhen vollskomenheit enkan nieman komen denne mit lûter verstântnüsse unde mit klârer vernunft.

Sît nû sô manic hôher vernünftiger geist, nochdenne der engel, der an sînem wesen und an sînem leben niht anders ist denne lûtriu vernunft, daz der geirret hât und êweclîche vervallen ist von der êwigen wârheit, alsô geschiht noch allen den, die sich dem engel gelîchent, an eigener behaltunge unde wolgevallen ir selbes in ir vernünftiger behendikeit. Nû sprechent die meister und ouch die heiligen, daz ez nütze und ein nôtdurft sî, daz man flîzic war neme unde bekennen unde brüeven sol die învelle des liehtes unde die klârheit der vernunft unde des schouwens, des der mensche hie gehaben mag in der zît, umbe daz, daz er iht betrogen werde in sîner vernünftigen behendikeit. Welt ir nû wizzen unde bekennen die gerehten vernünftigen gewæren anschouwer gotes, die dâ niht betriegen noch gevelschen mac, die sult ir bekennen bî vier unde zweinzic zeichen.

THE SIGNS OF A TRUE GROUND.

A master says: many people come to clear understanding and to intellectual discernment of image and form, but few come beyond intellectual contemplation and beyond intellectual comprehension of image and form; and yet one person who stood without all comprehension of formal imaging would be dearer to God than a hundred thousand who exercise themselves in an intellectual way. For God cannot come into them nor work his work because of the unreceptiveness of their intellectual imaging. But if they were released from all imagistic contemplation and lifted and raised above intellectual comprehension, as Saint Dionysius says, and also had the light of faith above all intellectual things from the first point, in such a person God finds his rest and his peace, dwelling and working as he wills, when he wills, and what he wills. For God is unhindered in his work in them; therefore he works in them his dearest work and binds them to himself in faithfulness. No one can know these people, for their life and their being are hidden from all those who are not of the same life. To this truth and this blessed life, to this noble, high perfection, no one can come except with pure understanding and clear intellect.

Since so many a high intellectual spirit—even the angel, who in his being and in his life is nothing other than pure intellect—has gone astray and fallen eternally from eternal truth, so it still happens to all those who make themselves like the angel through self-possession and self-satisfaction in their intellectual skill. Now the masters and also the saints say that it is useful and necessary that one diligently take heed, know, and examine the inflows of the light and the radiance of the intellect and of contemplation that a person may have here in time, so that he is not deceived in his intellectual skill. If you now wish to know and recognize the righteous, intellectual, true contemplators of God, who cannot be deceived or falsified, you should recognize them by twenty-four signs.

Daz êrste zeichen daz setzet uns der aller hœhste meister an kunst und an wîsheit und an hôher vernunft unde der ouch selber diu wârheit ist, unser lieber herre Jêsus Kristus, unde sprichet alsô ‘dâ bî sult ir erkennen, daz ir mîn junger sît, ob ir iuch under einander minnet unde mîn gebot behaltet. Waz ist mîn gebot? daz ir iuch under einander minnet, als ich iuch geminnet hân’, rehte als ob er sprêche: ir werdet wol mîn junger an kunst und an wîsheit und an hôher vernunft: habet aber ir niht rehte minne, sô hilfet ez iu wênic oder nihtes niht. Balaam was alsô vernünftig, daz er diu dinc verstuont, diu got über vil hundert jâr êrste offenen wolte. Daz half in wênig, wan er hete niht rehter minne. Nochdenne Lucifer, der engel, der in der helle ist, der hete ein gar klâre vernunft, daz er noch hiute vil verstêt. Er hât deste mêr hellischer pîne, allez umbe daz, daz er sich mit minne unde mit triuwen zuo dem niht behalten hât, daz er verstuont. — Daz ander zeichen: daz sie sint ledic worden ir selbes unde ledigent sich ûz in selber: des gebent sie einen frîen urloup allen dingen. — Daz dritte zeichen: sie habent sich gote lâzen ganz unde gar: des ist got sînes werkes ungehindert in in. — Daz vierde zeichen: swâ sie sich noch vindent, dâ gênt sie ir selbes ûz: des habent sie ein gewærez zuonemen. — Daz fünfte zeichen: sie suochent des iren nihtes niht an dekeinen dingen: daz gît in ein guot gehügnüsse. — Daz sehste zeichen: sie wartent âne underlâz, waz got von in welle: dem sint sie genuoc ûf daz aller hœhste. — Daz sibende zeichen: sie neigent iren willen deme götlîchen willen unde dâ von wellent sie niht wan daz got wil. — Daz ahte zeichen: sie füegent unde verbindent sich alsô nâhen zuo gote unde got zuo in in der kraft der minne, daz got niht würket âne sie unde sie würkent niht âne got. — Daz niunde zeichen: sie nietent sich unde gebrûchent gotes in allen ir werken und an allen steten und an allen dingen. — Daz zehende zeichen: sie enpfâhent nihtes niht von dekeiner crêatûre, weder liep noch leit, niuwen allez blôz von gote, swie ez doch got würke durch sîne crêatûre. — Daz eilfte zeichen: sie enwerdent niht gevangen von deheinem geluste noch smacke der nâtûre noch der crêatûre. — Daz zwelfte zeichen: sie enwerdent niht gedrungen noch getriben von deheinem widermuote: des sint sie stêteclîch bî der wârheit. — Daz drîuzehende zeichen: sie enwerdent niht betrogen von deheinem valschen liehte noch von schouwe der crêatûre: sie lâzent alliu dinc ûf sich selber stân. — Daz vierzehende zeichen: sie sint gewâfent unde gezieret mit allen tugenden: des mügent sie gesigen in allen strîten wider alle untugende. — Daz fünfzehende zeichen: sie schouwent unde bekennent die wârheit blôz unde lobent got âne underlâz, daz sie bekennent. — Daz sehszehende zeichen: sie sint vollekomen unde gereht: dâ für habent sie sich niht. — Daz sibenzèhende zeichen: sie habent wênic wort unde vil lebens. — Daz ahtzehende zeichen: sie predigent allen liuten mit einem wârhaften lebenne. — Daz niunzehende zeichen: sie suochent gotes êre in allen dingen und anders nihtes niht. — Daz zweinzigeste zeichen: swes man mit in krieget, dâ lâzent sie in an gesigen unde helfent sich nihtes niht, swâ ez sî, alleine an got. — Daz einundzweinzigeste zeichen: sie begernt weder trôst noch eigenschaft, sie dunkent sich des minsten niht wert. — Daz zweiundzweinzigest zeichen: sie habent sich für die aller unwirdigsten menschen, sô sie ûf ertrîche sint: des künnent sie sich diemüetigen under alle liute. — Daz drîundzweinzigest zeichen: sie nement daz leben unde die lêre unsers herren Jêsû Kristî für sich ze eime bilde alles irs lebennes, daz sie sich âne underlâz dar inne erspiegelnt, allez umbe daz, daz sie abe künnen legen daz dem wirdigen bilde ungelîch ist. — Daz vierundzweinzigest zeichen: sie gênt ûz als die dâ kleine würken unde vâhent alle zît an ze eime guoten lebenne: des sint sie ungeaht von vil liuten, daz ist in lieber denne aller menschen gunst.

Daz sint diu zeichen eines wârhaften grundes, in dem daz bilde aller wârheit lebet, unde swer ir in im selber niht vindet, der ensol von sîner vernunft nihtes niht halten noch ander liute.

The first sign is set before us by the highest master in knowledge and wisdom and high intellect, who is also truth itself, our dear Lord Jesus Christ, and he says thus: ‘By this you shall know that you are my disciples, if you love one another and keep my commandment. What is my commandment? That you love one another as I have loved you,’ just as though he were saying: you may indeed become my disciples in knowledge and wisdom and high intellect; but if you do not have true love, it helps you little or nothing at all. Balaam was so intellectual that he understood things that God did not wish to reveal until many hundreds of years later. This helped him little, for he did not have true love. Likewise Lucifer, the angel who is in hell, had a very clear intellect, so that even today he understands much. He has all the more infernal pain, entirely because he did not hold himself with love and faithfulness to what he understood. — The second sign: they have become free of themselves and free themselves out of themselves; therefore they give all things free leave. — The third sign: they have surrendered themselves wholly and completely to God; therefore God is unhindered in his work in them. — The fourth sign: wherever they still find themselves, there they go out of themselves; therefore they have a genuine increase. — The fifth sign: they seek nothing of their own in anything; this gives them a good memory. — The sixth sign: without ceasing they wait for what God wills from them; with that they are content to the very highest degree. — The seventh sign: they incline their will to the divine will, and therefore they will nothing but what God wills. — The eighth sign: they join and bind themselves so closely to God, and God to them, in the power of love, that God does not work without them and they do not work without God. — The ninth sign: they exercise themselves and enjoy God in all their works, in all places, and in all things. — The tenth sign: they receive nothing at all from any creature, neither love nor suffering, but everything bare from God, even though God works it through his creature. — The eleventh sign: they are not taken captive by any pleasure or savor of nature or of the creature. — The twelfth sign: they are neither compelled nor driven by any adversity; therefore they remain steadfastly with the truth. — The thirteenth sign: they are not deceived by any false light or by contemplation of the creature; they let all things stand upon themselves. — The fourteenth sign: they are armed and adorned with all virtues; therefore they can conquer in all struggles against every vice. — The fifteenth sign: they contemplate and know the truth bare and praise God without ceasing for what they know. — The sixteenth sign: they are perfect and righteous; yet they account themselves as nothing for it. — The seventeenth sign: they have few words and much life. — The eighteenth sign: they preach to all people with a true life. — The nineteenth sign: they seek God’s honor in all things and nothing else. — The twentieth sign: whoever contends with them, they let him gain the victory over them and help themselves in nothing, wherever it may be, except in God alone. — The twenty-first sign: they desire neither consolation nor ownness; they deem themselves unworthy of the least thing. — The twenty-second sign: they regard themselves as the most unworthy people on earth; therefore they can humble themselves beneath all people. — The twenty-third sign: they take the life and teaching of our Lord Jesus Christ as the image of their whole life, in which they mirror themselves without ceasing, all so that they may lay aside whatever is unlike the worthy image. — The twenty-fourth sign: they go forth as those who accomplish little and at all times begin anew toward a good life; therefore they are disregarded by many people, and this is dearer to them than the favor of all people.

These are the signs of a true ground in which the image of all truth lives; and whoever does not find them in himself should esteem neither his own intellect nor that of other people at all.